Insekten-Farm Rotenburg

Diese Seite ist ein Ei.  Warum?

Nunja, Eier sind (meist)  eine runde Sache – und in den meisten Fällen schlüpft was heraus . Das war es dann meistens mit dem Ei. Diese Seite ist das Abbild des Projektes “Insekten-Farm” im Stadium “Ei”.

Durch verschiedene Impulse bin ich auf das Thema “Insekten als Nahrungsmittel” gestoßen. Im Grunde genommen ist das Thema ja gar nicht so neu und für Deutschland nicht so ungewöhnlich, wie man denken mag – wenn auch die Idee einer “Insekten-Farm” zunächst etwas abwegig erscheint und man eher als eine Lebensaufgabe von Kammerjägern darin sieht, Insekten zu vertilgen.

Aufgewachsen bin ich an der Nordsee in Husum in Nordfriesland. Mit Husum verbindet man im allgemeinen zwei Sachen: Krokusse und Krabben. “Husumer Krabben” verschwimmen zwar manchmal mit “Büsumer Krabben”. In meiner Kindeheit war ich oft am hafen und es war ein Fest wenn die Krabbenkutter einliefen. Nicht nur wegen der Krabben, die man dort frisch kaufen konnte, sondern auch weil der beifang damals noch in Richtung Fischmehlfabrik abtransportiert wurde.  In Husum hießen die Krabben “Porren” (die Komposita waren immer eine Freude für amerikanische Gäste) und der Beifang hieß “Gammel” – es wurde also der Beifang auf den Gammelwagen geladen. Dass man mit der Entsorgung des Beigangs auch die Kinderstube des Meeres schädigte, war damals noch kein Thema und für mich als Grundschüler war es eine Freude das eine oder andere Tier ins Hafenbecken zu entlassen oder mal einen schönen Einsiedlerkrebs zu fangen.

In meiner Jugend dann zog ich auf ein Dorf, dass eine Straße hatte, die Porrendeich hieß. Dort stand eine Kate (kleines Reetdachhaus) neben der anderen. Hier wohnten früher die Krabbenfischer. Einige übten das Krabbenfischen nach wie vor aus und ich durfte mit.
Wir gingen also mit einem uralten Fahrrad, leeren Farbeimern und mehreren Sieben über das Watt bei ablaufendem Wasser hin zum Hever (auch bei Ebbe wasserführendem Teil der Nordsee vor Husum). Dann wurde die Gliep genommen und die Krabben gefangen. Eine Gliep muss man sich wie einen Schneeschieber vorstellen, nur dass an seinem unteren Ende ein etwa 2 Meter breites Brett angebracht ist das in hüfthohem Wasser über den Meeresgrund geschoben wird. Daran befestigt ist ein Netz , das den Fang aufnimmt. Wenn man dann eine Weile geschoben hat, hebt man es aus dem Wasser und entlässt den Fang in einen Farbeimer. Ich denke in früheren Zeiten war das eher ein Korb. Bei uns waren es Farbeimer. Auf einer Sandbank wurde der Fang gesiebt. Zuerst ein gröberes Sieb, so dass nur die größeren Tiere, Muscheln, und Seesterne verblieben – die kamen dann zurück ins Meer. Dann folgte eine feineres Sieb. Durch dies fielen die zu kleinen Tiere durch – auch die kamen wieder ins Meer zurück. So wurde mit der Gliep nach Krabbben gefischt und auf der Sandbank gesiebt. irgendwann waren dann die Eimer voll und die Sandbank wurde wegen ansteigendem Wasser immer kleiner. Jetzt war ein zügiger Aufbruch notwendig denn bis zum land waren es noch in etwa 2-3 Kilometer. Die vollen Eimer wurden an den Lenker des alten Fahrrades gehängt. Die Gliep kam über die Schulter und die Siebe auf dne Gepäckträger des Fahrrads. Auf dem Rückweg konnte es passieren, dass man einen Priel queeren musste, der bereits schon so hoch stand, dass jemand die Eimer vom Fahrrad nehmen musste um sie oberhalb der Wasseroberfläche zu halten. Das Fahrrad wurde dann unterhalb der Wasseroberfläche weitergeschoben und jemand trug die Siebe auf dem Kopf. Das war dann ein Zeichen für “etwas zu spät losgegangen”. An Land angekommen wurde dann erst einmal umgezogen und dann ging es ans Kochen der Porren. Das passierte in Salzwasser in einem mit Holz befeuerten Waschbottich.  fertig waren die frischen Nordseekrabben.  Die mussten dann gepult werden – sprich geschält werden. Das passierte dann meist zu Hause am Tisch. Es galt nicht als fein, die gebulte Krabbe direkt zu essen und weniger für die gemeinsam Mahhlzeit – da gab es dann auch mal die Ermahnung “Na! Nicht nur für den Mund pulen”. Zu dieser Zeit gab es auch noch Heimarbeiter, die Krabben pulten. Mein Nachbar in der Stettiner Straße war so einer. Horst-Peter bekam also morgens ungepulte Krabben in Platik-Kisten und  die gepulten Krabben wurden nachmittags wieder abgeholt. Die rosigen Krabben heute, die man mit Benzoesäure und Kochsalz in verschweißter Plastikdose kaufen kann wurden vielleicht gefangen vor Husum, . Wann wurden wahrscheinlich aufgekauft von Großhändlern, die im Verdacht stehen, als Kartell zu arbeiten und die Krabben wurden  Weißrussland oder Marokko gepult um dann in einem lebensmitteldiescounter wieder als “Husumer Krabben” aufzutauchen.

Warum so ein langer Exkurs zum Thema Nordseekrabben. Der insektophile Insektologe weiß ja, dass Krabben keine Insekten sind und auch, dass sie nicht in de Wümme schwimmen. Worauf ich aber hinaus will:

Der Verzehr von kleinen madenartigen Schalentieren ist in Deutschland völlig normal. Die Produktion und Ernte ist in ihrer historischen eine aussterbende Kultur und in ihrer globalisierten Version durchaus dem Zeitgeist entpsrechend anonymisiert.

Es gibt manchmal Stimmen, die behaupten das Essen von Insekten hätte auf dem deutschen Speiseplan nichts zu suchen – dem kann man entgegnen dass neben den oben beschriebenen Krabben auch Scampis, Krebse, Schnecken, Muscheln.

Im Sinne einer regionalisierten energieeffizienten Lebensmitelproduktion bieten Insekten eine Möglichkeit den Speiseplan um die eine oder andere leckere Komponente zu ergänzen.  Und das soll die “Insekten-Farm in Rotenburg” tun, die sich derzeit noch im Stadium “Ei” befindet.

 

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leckere Insekten zum Essen